Haskala: = jüdische Aufklärung. Hatte ihren Ursprung im jüdischen Berliner Bürgertum, das von den Schriften vor allem der französischen Aufklärung inspiriert war. Sie spielte in dem Prozess der Judenemanzipation als Mittler zwischen den Eliten der christlichen Mehrheitsgesellschaften und den jüdischen Gemeinden in Europa eine herausragende Rolle. Die Hauptziele richteten sich auf Säkularisierung, also Trennung von Religion und Staat, und Öffnung in die christliche Mehrheitsgesellschaft durch Herstellung persönlicher wie institutioneller Kontakte und Heranführung an jüdische Glaubenslehren. Dabei entwickelte sich eine Spannung zwischen der erstrebten Erneuerung des Judentums und der Konfrontation mit der jüdischen Orthodoxie. Mit der bürgerlichen Revolution in Westeuropa verband sich einerseits die erhoffte Emanzipation der jüdischen Bevölkerung, gleichzeitig entstand eine moderne Judenfeindlichkeit. (aus Wikipedia)
Midrasch: Unter Midrasch versteht man sowohl den Vorgang des Studierens als auch dessen Ergebnis, also Schriftwerke, die Bibelauslegungen enthalten. Der Midrasch bezieht sich immer auf einen autoritativen religiösen Text, in der Regel auf einen Text oder ein Ereignis des Tanach.[= die Heilige Schrift /Bibel des Judentums. Er besteht aus den drei Hauptteilen Tora ("Weisung"), Nevi'im ("Propheten") und Ketuvim ("Schriften")] Der Midrasch ist sicher zunächst eine mündliche Form der Schriftauslegung. Die ersten schriftlichen Beispiele finden sich jedoch bereits in der Bibel selbst. (aus Wikipedia)
Der Chassidismus im osteuropäischen Judentum hat mit dem deutschen Chassidismus des Mittelalters nur wenig mehr als den Namen gemeinsam
und übertrifft diesen erheblich an Bedeutung. Er entstand als Reaktion auf die Pogrome unter Führung des Kosaken Bogdan Chmelnizki
im Jahre 1648, als in Osteuropa über 700 jüdische Gemeinden vernichtet wurden.
Die Chassidim (Mehrzahl von Chassid) versammeln sich besonders am Sabbat und den jüdischen Festtagen um ihren Rabbi (jiddisch "Rebbe"),
um in Gebet, Liedern und Tänzen und auch religiöser Ekstase Gott näher zu kommen. Der chassidische Rabbi, genannt "Zaddik"
("Gerechter, Bewährter", von hebräisch "zedek" = "Gerechtigkeit"), ist ein charismatischer Führer und Mittelpunkt der Gemeinde
und gibt die chassidischen Lehren – oftmals in Form von Erzählungen und Gleichnissen – an seine Schüler weiter.
Damals ging mir eine Ahnung davon auf, dass gemeinsame Ehrfurcht und gemeinsame Seelenfreude die Grundlage der echten Menschengemeinschaft sind.
(in: Mein Weg zum Chassidismus in III, 966)
Zur gleichen Zeit erscheint Theodor Herzls "Der Judenstaat"
Bisher war Martin Buber mit drei wesentlichen Thematiken in Kontakt:
Jakob Böhme (* 1575 in Alt Seidenberg bei Görlitz; † 17. November 1624 in Görlitz) war ein bekannter deutscher Mystiker,
Philosoph und christlicher Theosoph. Hegel nannte ihn den "ersten deutschen Philosophen".
Die Philosophie von Böhme zeichnet sich durch einen idealistischen Pantheismus aus, der stark mit materialistischen Elementen besetzt ist.
Seine Weltanschauung entspricht den frühbürgerlichen Auffassungen.
Böhmes Gedanken kreisen
Böhme schreibt programmatisch:
"So man aber will von Gott reden, was Gott sei, so muß man fleißig erwägen die Kräfte der Natur"
(in: 1 Bd. 2., 21).
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1897 findet der erste zionistische Kongress in Basel statt
Zionismus (von Zion) ist ein Ideengebäude, ein politisches Programm und eine internationale Bewegung, die auf Errichtung, Rechtfertigung und
Bewahrung eines jüdischen Nationalstaats in Palästina abzielen. Als Eretz Israel wird dabei ein aufgrund historischer und
religiöser Überlieferung beanspruchtes Siedlungsgebiet der Juden in Palästina bezeichnet.
Der Zionismus wird als Ideologie den Nationalismen, als politische Bewegung den Nationalbewegungen zugerechnet.
Schlüssel- und Führungsfigur des modernen politischen Zionismus ist Theodor Herzl, der Begriff Zionismus wurde
um 1890 von Nathan Birnbaum geprägt. Der Zionismus entstand unter dem Eindruck des zunehmenden Antisemitismus gegenüber
der jüdischen Diaspora. Insbesondere Ausschreitungen und antisemitische Schriften und Verschwörungstheorien im
russischen Einflussbereich wurden entsprechend thematisiert. Der Zionismus wurde durch andere Nationalismen und moderne soziale
Bewegungen beeinflusst, unter anderem durch die der Arbeiterbewegung. Die zionistische Bewegung trug zur Verstärkung mehrerer
Phasen der Alija und damit zur Staatsgründung Israels 1948 bei.
(aus Wikipedia)
1902 – Begründung des jüdischen Verlages zusammen mit Feiwel, Lilien und Trietsch, Herausgeberische Tätigkeit.
1902 – 1904 Intensive Beschäftigung mit der jüd. Überlieferung
1904 Herzl stirbt
Das Individuationsprinzip ( lat. "principium individuationis" von "individuare" zu "individuus" : unteilbar)
bezeichnet das, was die Individualität und Konkretheit des Seienden bedingt und ermöglicht und was die Vielfalt und
Verschiedenheit der Individuen erklärt.
Die Individuation - eigentlich: Unteilbarmachung - bezeichnet
* die Besonderung des Allgemeinen, Einheitlichen im Einzelwesen (z.B. der Weltsubstanz in den Einzeldingen, der Menschheit in den einzelnen Völkern und Menschen)
* den Prozess der Selbstwerdung des Menschen, in dessen Verlauf sich das Bewusstsein der eigenen Individualität bzw. der Unterschiedenheit von anderen zunehmend herausbildet.
1905 Die Geschichte des Rabbi Nachman (Werk), Die Gesellschaft (Werk), Sammlung sozialpsychologischer Monografien.
Herausgeberschaft bis 1912
1908 Die Legende des Baalschem
Religiösen und philosophischen Verständnissen vom Transzendenten ist gemeinsam, dass dieser Begriff eine Wirklichkeit bezeichnet, die das voraussetzungslos sinnlich Wahrnehmbare überschreitet. Damit transzendentiert das Verstehen des Sinnlichen seine Wahrnehmung auf etwas – ein Drittes, das in seiner Beziehung zum Wahrnehmbaren erst bestimmt werden muss.
Baruch de Spinoza, (* 24. November 1632 in Amsterdam; † 21. Februar 1677 in Den Haag) war ein niederländischer Philosoph mit sephardischen (iberisch-jüdischen) Vorfahren. Er wird dem Rationalismus zugeordnet und gilt als einer der Begründer der modernen Bibelkritik. Sicherlich war er einer der radikalsten Philosophen der Frühen Neuzeit. Spinoza: Gott ist die unendliche, substantiell in ihren Eigenschaften konstante, einheitliche und ewige Substanz - Er meint also: "Deus sive natura", die Gleichsetzung von Gott und Natur. Spinoza schloss jede Willensfreiheit aus (auch die Gottes). Alles geschieht aus kosmischer Notwendigkeit; den Begriff "Wille Gottes" nannte er "das Heiligtum der Unwissenheit".
1909 Ekstatische Konfessionen (Zeugnisse oben genannter mystischer Erfahrungen aus
verschiedenen Kulturkreisen und Geistesepochen.)
1910 Reden und Gleichnisse des Tschuang Tse (Übersetzung); Die Lehre vom Tao (als
Nachwort)
1930 Zwiesprache
1936 Die Frage an den Einzelnen
1943 Das Problem des Menschen
1953 Elemente des Zwischenmenschlichen
Ich rede nicht an; ich rede über ein oder von einem Es.
Ich verschaffe mir Wissen von diesem Es. Ich-Es gewährt demnach Erfahrung. Erfahrung ist nur kraft des Ich-Es-Verhältnisses möglich,
und zwar um den Preis der "Du-Ferne".
Wirkliches Leben ist daher nur präsent, wo Ich-Du Beziehung verwirklicht wird.
Buber formuliert: "Der Erfahrende hat keinen Anteil an der Welt. Die Erfahrung ist ja ‚in ihm‘ und nicht zwischen ihm und der Welt"
Das bedeutet, dass der Mensch in der Erfahrung nicht über sein Bewusstsein hinaus gelangt, in eine Beziehungs – Realität, sondern das Neue in vorhandene Wissensbestände einfügt. Was da eingefügt wird, ist aber eine Art Abbild und nicht die Wirklichkeit des Gegenstandes selbst. Da aber der Prozess des Erkennens von etwas Erfahrbarem ein Abgleich mit bereits im Bewusstsein Vorhandenem ist, ist der Ort der Erfahrung die Vergangenheit."Ich werdend spreche ich Du"
Nur dadurch, daß das Du gegenwärtig wird, entsteht Gegenwart.
| Du – Welt | Es - Welt |
|---|---|
| Hier und Jetzt (Augenblick jenseits von Raum und Zeit) | Vergangenheit (Augenblick ohne Präsenz) |
| Freiheit | Ursächlichkeit |
| Wille | Willkür |
| Schicksal | Verhängnis |
| Person = Subjektivität = dynamisch | Eigenwesen = Subjekt = statisch |
| Verbundenheit | Abgehobenheit |
| Ich bin | So bin ich |
Wer in der Beziehung steht, nimmt an einer Wirklichkeit teil, das heißt: an einem Sein, das nicht bloß an ihm und nicht bloß außer ihm ist. Alle Wirklichkeit ist ein Wirken, an dem ich teilnehme, ohne es mir eignen zu können. Wo keine Teilnahme ist, ist keine Wirklichkeit. (Ich und Du; II) Jedem Du in der Welt ist seinem Wesen nach verhängt, Ding zu werden oder doch immer wieder in die Dinghaftigkeit einzugeh‘n … Das ist die erhabene Schwermut unseres Loses, daß jedes Du in unserer Welt zum Es werden muß.
(und vice versa kann auch jede Ich – Es Beziehung wieder zu einer Ich-Du Beziehung werden.)Aber gegenständliche Sprache erhascht nur einen Zipfel des wirklichen Lebens.
Im 2. Teil von Ich und Du spricht Buber über die Welt des Geistes. Geist ist für BuberAntwort des Menschen an sein Du. Geist ist Wort.
Wort nicht im Sinne von Logos sondern als Inbegriff des Korrespondierenden. Buber:Wie die sprachliche Rede wohl erst im Gehirn des Menschen sich worten, dann in seiner Kehle sich lauten mag, beides aber sind nur Brechungen des wahren Vorgangs, in Wahrheit nämlich steckt die Sprache nicht im Menschen, sondern der Mensch steht in der Sprache und redet aus ihr, - so alles Wort, so aller Geist. Geist ist nicht im Ich, sondern zwischen Ich und Du …. Vermöge seiner Beziehungskraft allein vermag der Mensch im Geist zu leben.
- wahre Gemeinde entsteht nicht dadurch, dass Leute Gefühle füreinander haben (wiewohl freilich auch nicht ohne das), sondern durch diese zwei Dinge; daß sie alle zu einer lebendigen Mitte in lebendig gegenseitiger Beziehung stehen. Das zweite entspringt aus dem ersten ist aber noch nicht mit ihm allein gegeben. Lebendig gegenseitige Beziehung schließt Gefühle ein, aber sie stammt nicht von ihnen. Die Gemeinde baut sich aus der lebendig gegenseitigen Beziehung auf, aber der Baumeister ist die lebendige wirkende Mitte.
Wer das Wort Gott spricht und wirklich Du im Sinn hat, spricht in welchem Wahn immer er befangen sei, das wahre Du seines Lebens an, das von keinem anderen eingeschränkt zu werden vermag und zu dem er in einer Beziehung steht, die alle anderen einschließt. … Aber auch wer den Namen verabscheut und gottlos zu sein wähnt, wenn der mit seinem ganzen hingegebnen Wesen das Du seines Lebens anspricht, als das von keinem andern eingeschränkt zu werden vermag, spricht er Gott an.
Wer mit dem ganzen Wesen zu seinem Du ausgeht und alles Weltwesen ihm zuträgt, findet ihn, den man nicht suchen kann … Es gibt in Wahrheit kein Gott-Suchen, weil es nichts gibt, wo man ihn nicht finden könnte.
In jeder Sphäre wird der Saum des ewigen Du sichtbar.
eigentlichen Gleichnis der Beziehung zu Gott.
Ich weiß von keiner (Offenbarung), die nicht im Urphänomen die gleiche wäre, ich glaube an keine. Ich glaube nicht an eine Selbstbenennung Gottes, nicht an eine Selbstbestimmung Gottes vor den Menschen. Das Wort der Offenbarung ist: Ich bin da als der ich da bin… Das Seiende ist da, nichts weiter …
…und er empfängt nicht einen "Inhalt", sondern eine Gegenwart eine Gegenwart als Kraft.
Die Gottesbegegnung widerfährt dem Menschen nicht, auf daß er sich mit Gott befasse, sondern auf das er den Sinn an der Welt bewähre. Alle Offenbarung ist Berufung und Sendung…
Es gibt jedoch auch manches Ich-Du- Verhältnis, das sich seiner Art nach nicht zur vollen Mutualität (Gegenseitigkeit) entfalten darf, wenn es in seiner Art dauern soll. … Um den besten Möglichkeiten im Wesen des Schülers helfen zu können, sich zu verwirklichen, muß der Lehrer ihn als diese bestimmte Person in ihrer Potentialität und ihrer Aktualität meinen, genauer, er muß ihn nicht als eine bloße Summe von Eigenschaften,….kennen, er muß seiner als einer Ganzheit inne werden und ihn in dieser Ganzheit bejahen. … muß er diese Situation jeweils nicht bloß von seinem eigenen Ende aus sondern auch von dem seines Gegenüber aus in all ihren Momenten erleben; er muß die Art von Realisation üben, die ich Umfassung nenne. Obzwar es aber darauf ankommt, daß er auch im Zögling das Ich-Du – Verhältnis erwecke, … so könnte doch die besondere erzieherische Beziehung nicht Bestand haben, wenn der Zögling seinerseits die Umfassung übte, also den Anteil des Erziehers an der gemeinsamen Situation erlebte.
Die volle Gegenseitigkeit bleibt dieser Beziehung also versagt. Ebenso geht es in der Psychotherapeutischen Beziehung zu, meint Martin Buber.… Wenn er sich damit begnügt, diesen zu "analysieren", d. h. aus seinem Mikrokosmos unbewußte Faktoren ans Licht zu holen … mag ihm manche Reparatur gelingen…. Aber das, was ihm hier eigentlich aufgetragen ist, die Regeneration eines verkümmerten Person-Zentrums wird er nicht zu Werke bringen. Das vermag nur, wer mit dem großen Blick des Arztes, die verschüttete latente Einheit der leidenden Seele erfaßt, und das ist eben nur in der partnerischen Haltung von Person zu Person, nicht durch Betrachtung und Untersuchung eines Objekts zu erlangen. … muß er, wie jener Erzieher, jeweils nicht bloß hier, an seinem Pol der bipolaren Beziehung, sondern auch mit der Kraft der Vergegenwärtigung am anderen Pol stehen und die Wirkungen seines eigenen Handelns erfahren. Wieder aber würde die spezifische, die "heilende" Beziehung in dem Augenblick enden, wo es dem Patienten beifiele und gelänge, seinerseits die Umfassung zu üben und das Geschehen auch am ärztlichen Pol zu erleben. Heilen wie erziehen kann nur der gegenüber Lebende und doch Entrückte.
(Vergegenwärtigung ist eine Erweiterung des weiter unten genannten Begriffes der "Realphantasie" wobei hier der Partner nicht nur zur Vorstellung des Willens des Anderen bereit ist (Realphantasie), sondern im Vorgang der Vergegenwärtigung ist er bereit, diesen Willen für sich selbst zu übernehmen. Er verwendet dafür auch den Begriff der Umfassung, welcher den Vorgang meint indem man gleichzeitig bei sich bleibt, aber das Eigene von der Gegenseite aus erfährt. Im modernen wissenschaftlichen Sprachgebrauch ist wohl die Übersetzung in den Begriff der Empathie zulässig.)Wie auch das eifrigste Aufeinanderzu-Reden kein Gespräch ausmacht … So bedarf es hinwieder zu einem Gespräch keines Lauts, nicht einmal einer Gebärde. Sprache kann sich aller Sinnenfälligkeit begeben und bleibt Sprache.
Er erweitert hier die Begriffe des Gesprächs und der Sprache über die gängigen Auffassungen zu Mitteln der Begegnung, die über das Austauschen von Zeichen hinaus gehen.…, die in einer echten Wandlung aus der Kommunikation zur Kommunion, also in einer Verleiblichung des dialogischen Wortes münden.
Es geht ihm um die Begegnung, nicht um das Austauschen von Inhalten. Inhalte treten in der echten Zwiesprache zurück. (Wiewohl Inhalte wichtig sind, aber für die Betrachtung des Dialogischen sind sie in ihrer Vielfältigkeit für die Sicht auf das Wesen des Dialogs unberücksichtigbar.)Keiner jener beiden braucht seine Ansicht aufzugeben, nur eben betreten sie, indem sie unversehens etwas tun und ihnen unversehens etwas widerfährt, das Bund heißt, ein Reich, in dem das Gesetz der Ansicht nicht mehr gilt. … Begegnet waren sie sich schon vorher, als sie sich, jeder in seiner Seele, so zueinander hinwandten, daß jeder hinfort, den anderen vergegenwärtigend, wahrhaft zu ihm und an ihn sprach.
..denn Luther und Calvin glauben, das Wort Gottes sei so unter die Menschen niedergegangen, daß es eindeutig
gekannt werden könne und also ausschließend vertreten werden müsse, ich aber glaube das nicht, sondern
das Wort Gottes fährt vor meinen Augen nieder wie ein fallender Stern, von dessen Feuer der Meteorstein zeugen wird,
ohne es mir aufleuchten zu machen, und ich selber kann nur das Licht bezeugen, nicht aber den Stein hervorholen und
sagen: Das ist es. …
In den öffentlichen Katakomben dieses Harrens gibt es ein eindeutig kennbares und vertretbares Gotteswort nicht,
sondern die überlieferten Worte deuten sich uns in unserem menschlichen Einanderzugewandtsein aus.
Kein Gehorsam zum Kommenden besteht ohne die Treue zu seiner Kreatur. …
Das Dialogische ist nicht auf den Verkehr der Menschen miteinander beschränkt: es ist … ein Verhalten der Menschen zueinander, das sich in ihrem Verkehr nur eben darstellt.
Es geht also um ein Menschenbild, das durch die Annahme des Anderen als Anderer verwirklicht werden soll.Ein Gesicht ist nichts als Physiognomie, Bewegung nichts als Ausdrucksgebärde
Am Gegenstand ist im das erheblich, was nicht "Charakter" und nicht "Ausdruck" ist
… Alle großen Künstler sind Betrachter gewesen.
ihm weder Tat abfordert noch Schicksal zufügt.
Dieser Mensch ist nicht mein Gegenstand; ich habe mit ihm zu tun bekommen.
… es kommt nur darauf an, daß ich "annehme"
Es ist … mir ein Wort geschehen, das eine Antwort heischt.
Diese Antwort kann gleich oder viel später geschehen.
Diese Art der Begegnung, der Wahrnehmung ist nicht nur mit Menschen möglich.
Die Ätherwellen brausen immer, aber wir haben zumeist unseren Empfänger abgestellt.
Laut Buber verwendet der Mensch die Objektivierung der Welt, z. b. durch die Wissenschaft, dazu, ihn vor dem Angeredet-werden zu schützen, damit ihn das Weltgeschehen nicht anrührt. Der vermeintliche Schutz eines "ihn nicht meinenden" Ordnungssystems.
Es gibt dabei keine durchgehende Anwendbarkeit von Regeln, Gesetzen und Analogieschlüssen…
Was mir widerfährt, sagt mir etwas, aber was das ist, das es mir sagt, kann mir durch keine geheime Kunde
eröffnet werden, denn es ist noch nie zuvor gesagt worden, .., es ist ja gar nicht ein
Was, es ist ja mir in mein Leben hinein gesagt …
Er bestreitet dabei NICHT die Gültigkeit und Notwendigkeit der Wissenschaft, aber:
Der Glaube steht in der Flut der Einmaligkeit, die vom Wissen überspannt wird. Unentbehrlich für die Arbeit
des Menschengeistes sind all die Notbauten der Analogik, der Typologik, aber Flucht wärs, sie zu betreten,
wenn dich, mich die Frage des Fragenden antritt. In der Flut allein erprobt und erfüllt sich das gelebte Leben.
Aber "wer redet" denn in diesem "Anreden"?
Nennen wir den Sprecher dieser Sprache Gott, so ist es immer der Gott eines Augenblicks, ein Augenblicksgott.
Martin Buber beschreibt es mit dem "sprechen" eines Gedichtes, in dem im speziellen Augenblick ,
ein bestimmtes, uns angehendes, Subjekt spricht, das erst durch mehrere Gedichte desselben Autors sich zum
polyphonen Dasein der Person zusammensetzt.
Was wir so mit dem Wesen sagen, ist unser Eingehen auf die Situation, in die Situation, sie, die uns eben jetzt angetreten hat, deren Erscheinung wir nicht kannten und nicht kennen konnten, weil es ihresgleichen noch nicht gegeben hat. Wir werden nun nicht mit ihr fertig, darauf haben wir verzichten müssen, nie ist mit einer Situation, deren man inne ward, fertig zu werden, aber wir bewältigen sie in die Substanz des gelebten Lebens ein. SO erst, dem Augenblick treu, erfahren wir ein Leben, das etwas anderes als eine Summe von Augenblicken ist. Dem Augenblick antworten wir, aber wir antworten zugleich für ihn, wir verantworten ihn. Ein neu erschaffenes Weltkonkretum ist uns in die Arme gelegt worden; wir verantworten es.
Die Verantwortung verbindet die Person mit der Wahrheit. Dazu braucht es die Wirklichkeit der Person und die Wirklichkeit der Wahrheit.
Und wenn es nichts gibt, was uns das Antlitz des Mitmenschen so verstellen kann wie die Moral,
kann die Religion uns wie nichts andres das Antlitz Gottes verstellen. Prinzip dort, Dogma hier,
ich weiß die "objektive" Dichtigkeit des Dogmas zu schätzen, aber hinter beiden lauert
der – profane oder heilige – Krieg gegen die dialogische Gewalt der Situation, lauert das Ein-für-alle-mal,
das dem unvorhersehbaren Augenblick widersteht.
Buber unterscheidet dreierlei Erscheinungen von Dialog:
…in dem zwei oder mehrere im Raum zusammengekommene Menschen auf wunderlich verschlungenen Umwegen jeder mit sich selbst reden und sich doch der Pein des Aufsichangewiesenseins entrückt dünken.
Als Beispiele nennt er:sondern eins, in dem man mit dem Menschen mit dem man zu tun hat, wirklich zu tun hat. Monologisch lebend ist nicht der Einsame zu nennen, sondern wer nicht fähig ist, die Gesellschaft, in der er sich schicksalsmäßig bewegt, wesensmäßig zu verwirklichen.
Mit der Liebe ist die Dialogik erst recht nicht gleichzusetzen.Ich weiß niemand in den Zeiten, der es
fertiggebracht hätte, alle Menschen, denen er begegnete, zu lieben. Auch Jesus ….;
doch er stand zu diesen wie zu jenen unmittelbar. … Aber Liebe ohne Dialogik, also ohne wirkliches
Zum-Andern-ausgehen, Zum-Andern-gelangen und Beim-Andern-verweilen, die bei sich bleibende Liebe ist es,
die Luzifer heißt.
Freilich muß man um zum Andern ausgehen zu können, den Ausgangsort innehaben, man muß
bei sich gewesen sein, bei sich sein.
Der Beliebigkeit der Nächsten – Liebe erteilt er eine Absage, weil damit die Einmaligkeit der wirklichen Begegung
gleichmacherisch eingeebnet wird. Er weist darauf hin, dass aus der Bibel das
hebräische Wort für "Genosse" fälschlicherweise mit "Nächster" übersetzt
wurde. Es braucht aber diese Vereinheitlichung nicht, da es der Welt Gestalt und Struktur nimmt und …
… braucht, wann irgend wir einander nah kommen, nichts zu mitteln, weil wir der gleichen Mitte verbunden sind.
Dazu muß der Mensch sich nicht jedem "Passanten" nahe sein. Das ist auch gar nicht möglich und menschlich.… bis in die Spannung der Augenmuskeln und bis in den Auftritt der Fußsohle …
aufbaut. Auch hier wird die Verwobenheit von "Innerem und Körper", die Verwobenheit von Seelischem, Göttlichem und Weltlichem deutlich. Die dialogische Grundbewegung ist "Hinwendung".… und den Andern nur als das eigne Erlebnis, nur als eine Meinheit bestehen läßt. Da wird denn Zwiesprache zum Schein, … wird nur noch gespielt, und in der Ablehnung des gegenüberlebenden Wirklichen beginnt sich die Essenz aller Wirklichkeiten zu zersetzen.
nicht oberhalb, sondern unterhalb der Zwiesprache. Er ist der Verborgenheit Gottes, die über Ich und Du ist nicht näher und der Zugewandtheit Gottes … ferner als jener andre..
Von all den menschlichen Phänomenen, scheint das Denken das monologischste zu scheinen. Aber Buber vermutet auch hier das dialogische Element, in dem er die platonische Idee vom Denken als "Gespräch der Seele mit sich selbst" von der Interpretation als reines "Selbstgespräch" wegführt, hin zu einem Anreden desGrundverhältnisses, dem gegenüber er seine Einsicht, oder die Ordnung, der gegenüber er die neu eintretende Begriffsgestalt zu verantworten hat.
Auch nach der reinen Entstehung des Gedankens, wenn es in die Erprobung der Gedanken im inneren Dialog geht, bestreitet Buber einen per se monologischen Vorgang, sondern sieht auch hier den Denker im Gespräch mit einem DU, mit dem Genius, dem mit ihm intendierten Geist.Die zwei Getreuen des dialogischen Eros, die einander lieben, bekommen jeder das gemeinsame Ereignis auch vom andern aus, also von seinen beiden Seiten her, zu empfinden, und so erst, nun erst begreifen sie Ereignis körperhaft. Das Reich des flügellahmen Eros ist eine Welt von Spiegeln und Spiegelungen…. Der dialogische Eros hat die Einfalt der Fülle; der monologische ist vielfältig.
Kein Weg führt zu einem Ziel anderer Art als die seine (Art).
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Stirner führt die Leute aus allerhand Gassen aufs offne Feld, wo jeder der Einzige und die Welt sein Eigentum ist.
Da tummeln sie sich nun in eitel Unverbindlichkeit. … Kierkegaard führt an einen "Engpaß":
seine Aufgabe sei, "die Vielen" womöglich zu verlassen, einzuladen, zu bewegen durch diesen Engpaß,
"der Einzelne", hindurchzudringen, durch den jedoch wohl zu merken, niemand dringt, ohne "der
Einzelne" zu werden; … Ich meine aber, daß in der tatsächlichen Geschichte der Weg an diesen
Engpaß über jenes offene Feld führt, das zuerst Individualegoismus und dann Kollektivegoismus und
dann mit seinem wahren Namen Verzweiflung heißt.
Gemäß der Paradoxie der christlichen Aufgabe weiß Kierkegaard, dass kein Mensch von sich sagen kann,
der Einzelne geworden zu sein, da ja immer noch ein höherer Sinn der Kategorie unerfüllt über ihm
bleibe;
Aber dennoch KANN jeder Mensch ein Einzelner WERDEN. Der Weg ist, sich von Gott helfen lassen zu wollen.
Bubers Position dagegen klingt an in:
Nur wenn ich mit einem Anderen wesentlich zu tun bekomme, so also, daß er gar nicht mehr ein Phänomen
meines Ich, dafür aber mein Du ist, nur dann erfahre ich die Wirklichkeit des
Mit-einem-redens – in der unverbrüchlichen Echtheit der Gegenseitigkeit.
Im Gegensatz zu Kierkegaard "Um zum Lieben zu kommen, mußte ich den Gegenstand
entfernen" (über seine Lossagung von Regine Olsen) sagt Buber :
Die Schöpfung ist keine Hürde auf der Bahn zu Gott, sie ist diese Bahn selbst.
Wir sind miteinander erschaffen und auf ein Miteinander zu. .. Ein durch Ausschluß ihrer (der Geschöpfe)
zu erreichender wäre nicht der Gott aller Wesen, in dem sich alles Wesen erfüllt.
dann verginge sie sich gegen ihr Gesetz und verschlösse uns, statt uns, wie es ihres Amtes ist, zu befähigen, die Pforten der Endlichkeit offen zu halten.
Im Gegensatz zu Kierkegaard, für den der "Einzelne Gott entspricht" und gleichzeitig Gott zum unendlichen Ego erklärt, also ein Gott, der über dem Chaos seiner Schöpfung schwebt, ist Bubers Gottesbegriff der eines die Schöpfung umfangenden Gottes.
Er ist das unendliche Ich, das alles Es zu seinem Du macht. Also entspricht der Einzelne dann Gott,
wenn er das ihm zugeteilte Stück Welt menschlich umfängt. … zu den ihn umlebenden Wesen Du sagt.
… Gott ist nicht ein Gegenstand neben Gegenständen und kann daher nicht durch Verzicht auf Gegenstände erreicht
werden. … Er ist nicht durch Abzug zu finden und nicht durch Abstrich zu lieben.
So definiert Buber Geschichte als den Zusammenhang der Machtverantwortungen in der Zeit. Damit hält Verantwortung Einzug in den Begriff, also dem Menschen als eine Person mit einem Verhältnis zur Wahrheit. In dem Moment, so Buber, kann der Mensch nicht mehr biologisch allein erfasst werden, da eben zur Macht – handlung die Macht – verantwortung hinzutritt.
der Wirbel der richtungslos kreisenden Möglichkeitskraft des Menschen, ohne die nichts gerät, durch die, nimmt sie die Richtung nicht an und bleibt sie verfangen, alles mißrät.
Das Böse ist also Richtungslosigkeit, nicht aktive Gegenkraft. Im Biblisch – Paradiesischen Sinne ist das "Gut-und-Böse sein" des Menschen, seine ursprüngliche Fähigkeit "Gut und Böse kennend" zu sein.Buber appelliert an den Glauben des Menschen an die Wahrheit als ein von ihm Unabhängiges, das er nicht innehaben kann, zu dem er aber in ein lebensmäßiges Realverhältnis zu treten vermag.
Aus diesem Bestreben ersteht die Verantwortung des Einzelnen, der dadurch wirklich wird und aus diesen Einzelnen kann echte Gemeinschaft und echtes Gemeinwesen werden. Dieses öffentliche Wesen erneuert sich ständig durch das verantwortliche Ringen seiner Einzelnen um die Wahrheit.…eine Beziehung zwischen menschlichen Personen nicht mehr, wie man gewohnt ist, entweder in den Innerlichkeiten der Einzelnen oder in einer sie umfassenden und bestimmenden Allgemeinwelt lokalisiert, sondern faktisch zwischen ihnen.
Er sieht das "Zwischen" als etwas Ontisches.Die Ontologie ist eine Disziplin der theoretischen Philosophie. In der Ontologie geht es einerseits um Grundstrukturen der Realität. Dieser Gegenstandsbereich ist weitgehend derselbe, der nach traditioneller Terminologie "allgemeine Metaphysik" genannt wurde.(aus Wikipedia) on|tisch ‹zu →onto...›: als seiend, unabhängig vom Bewusstsein existierend verstanden, dem Sein nach (Philos.). ... (aus Duden - online)
Das Reich des Zwischen ist Jenseits des Subjektiven, diesseits des Objektiven, auf dem schmalen Grat, darauf Ich und Du sich begegnen.
(aus "Marin Buber" von Gerhard Wehr – rororo)
Der Begriff des "Zwischen" steht außerhalb der Begriffswelt von "Einzelner" oder "Gesamtheit" , denn diese sind nur mächtige Abstraktionen wohingegen das "Zwischen" ein eigentümliches Konkretum der Menschenwelt ist. (aus "Marin Buber" von Gerhard Wehr – rororo)Es kommt auf nichts anderes an, als daß jedem von zwei Menschen der andere als dieser bestimmte Andere widerfährt, jeder von beiden des andern ebenso gewahr wird und eben daher sich zu ihm verhält, wobei er den andern nicht als sein Objekt betrachtet und behandelt, sondern als seinen Partner in einem Lebensvorgang, sei es auch nur in einem Boxkampf.
Er unterscheidet es auch vom soziologischen Beziehungsbegriff, der ein andauerndes Verhältnis zwischen Individuen beschreibt. Er bezieht das Zwischenmenschliche auf den Augenblick des aktuellen Ereignisses zwischen Menschen. Das Zwischenmenschliche ist die Sphäre in der sich die Personen befinden; die Entfaltung nennt er das Dialogische. Er will den Begriff auch vom psychischen getrennt wissen, weil das psychische zwar aufgrund der Seelenhaftigkeit des Menschen immer dabei ist, das Zwischenmenschliche sich aber nicht in einer der beiden Seelen und auch nicht in beiden gemeinsam ereignet, sondern eben zwischen ihnen.Eines Menschen innewerden heißt also im besonderen seine Ganzheit als vom Geist bestimmte Person wahrnehmen, die dynamische Mitte wahrnehmen, die all seiner Äußerung, Handlung und Haltung das erfassbare Zeichen der Einzigkeit aufprägt. …. Darum bezeichne ich das Innewerden in diesem besonderen Sinne als personale Vergegenwärtigung.
Er nennt ein Element, eine Fähigkeit, die ihm geeignet scheint, dem Prozess des Innewerdens des Anderen behilflich sein zu können. Er nennt es Realphantasie, gemeinhin bekannter, wenn auch undeutlicher als Intuition bezeichnet.Ich meine die Fähigkeit, sich eine in diesem Augenblick bestehende, aber nicht sinnenmäßige erfahrbare Wirklichkeit vor die Seele zu halten. Auf den Umgang zwischen Menschen angewandt, bedeutet Realphantasie, daß ich mir vorstelle, was ein anderer Mensch eben jetzt will, fühlt, empfindet, denkt und zwar nicht als abgelösten Inhalt, sondern eben in seiner Wirklichkeit, das heißt, als einen Lebensprozeß dieses Menschen (aus Urdistanz und Beziehung 1951)
Diese Fähigkeit ist gefragt, wenn es z.b. darum geht, wenn der Andere etwas fragen oder sagen möchte, dies aber nicht wagt oder wenn ein Lehrer erkennen möchte, wo die Möglichkeiten eines Schülers liegen – also im Falle indirekter Kommunikation.| Die Erziehung | Die Propaganda |
|---|---|
| Sieht das Individuum als Person; als einmalig; Besonders | Den Propagandisten geht die Person nichts an. |
| Er lernt kennen um der individuellen Entfaltung zu dienen. | Er muss nur kennenlernen um auszunutzen |
| Förderung; Entfaltung | Bemächtigung; Depersonalisation |
| Der Erzieher erlegt nicht auf, er stellt sich zur Verfügung für die aktualisierenden Kräfte des Anderen. | Sublimer Zwang |
Der Mensch ist nicht in seiner Isolierung, sondern in der Vollständigkeit der Beziehung zwischen dem einen und dem anderen anthropologisch existent: erst die Wechselwirkung ermöglicht, das Menschentum zulänglich zu erfassen.
Die Voraussetzungen dafür und für das Zwischenmenschliche sind:Friedrich Heinrich Jacobi (* 25. Januar 1743 in Düsseldorf; † 10. März 1819 in München) war ein deutscher Philosoph, Jurist, Kaufmann und Schriftsteller.
Feuerbach bleibt hier aber in " einer schlechten Mystik" stecken, denn
seiner Meinung nach wäre die Formulierung: die Einheit von Ich und Du ist Mensch (im eigentlichen Sinn)
gehaltvoller als die pseudomystische Konstruktion zu der sich Feuerbach versteigt.
zu
Während Feuerbach in einem scheinmystischen Atheismus stecken bleibt, bleibt Kierkegaard in einem Nebeneinander von Du und Du stecken.
und danach zuHermann Cohen (1842-1918) war einer der großen akademischen Philosophen Deutschlands an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert. Er lehrte an der Universität Marburg (1875-1912) sowie an der "Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" in Berlin (1913-1918). Als herausragender Vertreter neukantianischen Denkens sowie einer philosophisch orientierten "Wissenschaft des Judentums" hat er wichtige Grundlagen für die theoretische und ethische Orientierung in der wissenschaftlich-technischen Zivilisation geschaffen.
der 1919 die Sicht des Du erneuert. Cohen formuliert, dass "erst das Du, die Entdeckung des Du mich selbst zum Bewußtsein meines Ich" bringt. Es ist "die Persönlichkeit", die "durch das Du an den Tag gehoben wird". Völlig neu ist aber die Formulierung der "Korellation" , der Wechselbezogenheit von Mensch und Gott als etwas, das "nicht in Vollzug" treten kann, wenn nicht vorerst an der eingeschlossenen Korrelation von Mensch und Mensch.
und zuFerdinand Ebner (* 31. Januar 1882 in Wiener Neustadt; † 17. Oktober 1931 in Gablitz) war ein Volksschullehrer und Philosoph
der wie Kierkegaard nicht über den ananthropisch sich verhaltenden Einzelnen hinauskommt.
Hier kommt Martin Buber auf sich zu sprechen. Soweit er sein Denken aus seiner Biografie erklärt möchte Ich auf den biografischen Anfangsteil dieses Textes verweisen. Er nennt in der Folge diverse Denker und Personen der Zeitgeschichte, wie Grisebach und Jaspers, deren genauere Untersuchung den Rahmen dieses Textes sprengen würde. Der kritischen Betrachtung, der von ihm genannten "freien Philosophie" schließt er an:Wir hatten erkannt, daß eben dasselbe Du, das von Mensch zu Mensch geht, eben dasselbe ist, das vom Göttlichen her zu uns niederfährt und von uns her zu ihm aufsteigt. Um dieses Gemeinsame in der äußersten Ungemeinsamkeit ging es und geht es.
(Sinngemäß aus Felix Pohner – Das "Dialogische Prinzip" nach Martin Buber)
Im Dialog findet, von sich selbst ausgehend, ein Hineinschauen in den Anderen, also ein Denken und Fühlen vom Anderen her statt. Es wird immer das Ich und der Andere zugleich gesehen.(aus Felix Pohner – Das "Dialogische Prinzip" nach Martin Buber)
Das Grundanliegen des Dialogischen Prinzips ist, die "Anderheit" des Anderen anzunehmen und zu respektieren.(aus Felix Pohner – Das "Dialogische Prinzip" nach Martin Buber)
Als Religiösen Sozialismus bezeichnet man das Engagement von Angehörigen einer Religion für einen Sozialismus als angestrebte Gesellschaftsordnung. Eine Bewegung dieses Namens entstand um 1900 mit der erstarkenden Arbeiterbewegung in Mitteleuropa im Christentum, zum Teil auch im Judentum. Seit dem Ersten Weltkrieg waren immer mehr Christen und Juden davon überzeugt, dass dauerhafter Frieden entsprechend der Tora und dem Evangelium nur verwirklicht werden könne, indem der auf Egoismus, Konkurrenz und Ausbeutung gegründete Kapitalismus überwunden werde (aus Wikipedia)
Gustav Landauer übte einen großen Einfluß auf Buber aus. Landauer glaubte an und kämpfte für ein gesellschaftliches Zusammenleben ohne Staat. Und ebenso tat es Martin Buber. "Was wir Sozialisten wollen, die wir nicht den Staat, sondern die Gesellschaft bauen wollen, das heißt die Vereinigung nicht aus dem Zwang, sondern aus dem Geiste, das ist gegründet auf das freie, selbständige Individuum" (Landauer, Von der Ehe, zit. nach Wehr 1996, 119).(aus Gestaltkritik: Erhard Doubrawa: Die Politik des Ich-Du / Der Anarchist Martin Buber.)
Erst Ende der 30er Jahre führte Buber den Begriff des "Wir" in sein Denken ein, und zwar das "wesenhafte Wir":"Die besondere Beschaffenheit des Wir bekundet sich darin, daß zwischen seinen Gliedern eine wesentliche Beziehung besteht oder zeitweilig entsteht; d.h. daß in dem Wir die ontische Unmittelbarkeit waltet, die die entscheidende Voraussetzung des Ich-Du-Verhältnisses ist. Das Wir schließt das Du potentiell ein. Nur Menschen, die fähig sind, zueinander wahrhaft Du zu sagen, können miteinander wahrhaft Wir sagen" (Buber 1962, 373f.).
Verständlich wird daraus, dass sich Gesellschaft aus vielen überschaubaren Gemeinschaftszellen konstituieren muss, in denen Menschen "Du" und "Wir" sagen können. Neben Individualismus und Kollektivismus spricht Buber von einer dritten Grundmöglichkeit, der "Sphäre des Zwischen". Diese ist zwei oder mehreren Wesen gemeinsam, doch greift sie über die Eigenbereiche beider hinaus. Diese Sphäre ist wesenhaft dialogisch. Und sie begründet das "wesenhafte Wir"."doch nur dann einer, wenn seine Mitgliederzahl den Personenkreis, den ein Mensch persönlich kennen kann, nicht übersteigt. … Es geht darum, ob direkter Kontakt von einem Menschen zum andern besteht und ob die Wendung zum Anderen wirklich ihn, in seinem Sein und seinem Sosein, meint" (Buber 1985a, 302).
(aus Gestaltkritik: Erhard Doubrawa: Die Politik des Ich-Du / Der Anarchist Martin Buber.)
Für ein gutes Therapieergebnis spielt es nach hunderten von Forschungsbefunden eine sehr wichtige Rolle, in welchem Ausmaß der Patient seinen Therapeuten als ihn unterstützend, aufbauend, in seinem Selbstwert positiv bestätigend erlebt. Dabei kommt es vor allem darauf an in welchem Ausmaß der Patient sich selbst als fähig zu einer guten Beziehung erleben kann. Die Bedeutung, die eine gelungene Aktivierung dieser wichtigen Ressource für das Therapieergebnis hat, ist unmittelbar einleuchtend: Wenn ein in seinem Selbstwert angeschlagener Mensch sich als Psychotherapiepatient nicht auf seine problematischen Seiten reduziert, sondern in seinen positiven Zielen und Fähigkeiten erkannt, bestätigt und unterstützt fühlt, dann erlebt er sich allein dadurch schon in veränderten Bedeutungen mit direkten positiven Auswirkungen auf sein Wohlbefinden, aber auch mit einer erhöhten Aufnahmebereitschaft für veränderungsorientierte therapeutische Interventionen.
(aus http://www.psychotherapie.org/klaus/ref-grawe.html - Einführungsreferat von Prof. Klaus Grawe auf dem
Psychotherapiekongress 1994 in Hamburg. Erläuterung vier grundlegender therapeutischer Wirkprinzipien und die
Anwendung auf therapeutische Schulen zur Beurteilung ihrer Wirksamkeit.)
Klaus Grawe (* 29. April 1943 in Wilster; † 10. Juli 2005 in Zürich) war ein Psychotherapieforscher und
Psychologischer Psychotherapeut mit dem Tätigkeitschwerpunkt Psychotherapieforschung.
Er ist vor allem mit seinen Arbeiten zum Thema "Wirkungsweisen und Wirksamkeit von Psychotherapien"
international bekannt geworden.
Genau wie Gestaltpädagogik ist dialogische Pädagogik demnach kein eigenständiger erziehungswissenschaftlicher Ansatz. Vielmehr beschreiben beide Begriffe eine partielle Praxis im pädagogischen Feld. Diese Praxis ist Ausdruck eines Gewahrseins, das die Erziehungswissenschaftler Wulf und Gebauer (1994) "soziale Mimesis" nennen.
Mimesis (älteres Griechisch μίμησις, "Nachahmung", neugriech. μίμηση: mímisi) bezeichnet ursprünglich das Vermögen, mittels einer körperlichen Geste eine Wirkung zu erzielen. Als Mimesis bezeichnet man in den Künsten das Prinzip der Nachahmung im Sinne der Poetik des griechischen Philosophen Aristoteles.
Es geht dabei um einen zwischenmenschlichen Raum, der praktisches Wissen erzeugt, das sich wiederum in Körper- und Handlungswissen ausdrückt.
(aus: http://www.gestalt.de/muth_paedagogik.html)
Dr. Wolfgang KroneIm Zentrum steht die Verantwortungsproblematik des dialogischen Werks von Martin Buber und ihre pädagogische Relevanz, wobei immer wieder Bezüge zu Bubers Chassidismusinterpretation hergestellt werden. Verantwortung erweist sich als das Phänomen, von dem her sich die ganze Dialogphilosophie Bubers erschließt und das gleichzeitig die Brücke zu Bubers pädagogischen Gedanken schlägt. Der Mensch als Mit-Mensch ist das in die Verantwortung gestellte Wesen. Nur im Rahmen dieses Mit läßt sich Bubers dialogische Erziehung verstehen, die immer Erziehung in und zur Verantwortung ist.
(aus: Martin Buber - Erziehung unter dem Radikalanspruch mitmenschlicher Verantwortung )
(aus Felix Pohner – Das "Dialogische Prinzip" nach Martin Buber)
Weiter Beispiele dazu siehe Felix Pohner – Das "Dialogische Prinzip" nach Martin Buber S76f(aus Felix Pohner – Das "Dialogische Prinzip" nach Martin Buber)
Die Dialogführung als Ultima Ratio, vor allem der Politik, kann aber nur von Erfolg gekrönt sein, wenn das Konzept des "Dialogischen Prinzips" als allgemeine internationale Verpflichtung anerkannt wird. Dies wird wiederum nur zu erreichen sein, wenn das des "Dialogischen Prinzip" innerhalb der Pädagogik, also in Erziehung und Bildung, flächendeckend und somit interkulturell umgesetzt wird, …(aus Felix Pohner – Das "Dialogische Prinzip" nach Martin Buber)
Bubers Auffassungen sind kein reiner Pazifismus:Ich will die Gewalt nicht. Aber wenn ich nicht anders als durch sie verhindern kann, daß das Übel das Gute vernichtet, werde ich hoffentlich Gewalt üben und mich in Gottes Hände begeben. (Buber 1953)