aus lat. sexus „Geschlecht“ = „Geschlechtlichkeit“
Abgesehen von der rein biologischen Definition von Sexualität, betrachtet die psychologisch/psychotherapeutische Sicht, Sexualität als
die Gesamtheit der Lebensäußerungen einer Person in Bezug auf ihr Geschlecht.
Das war’s dann aber auch schon mit der Eindeutigkeit des Begriffes. Ansonsten mutet die Vielfalt der Auffassungen die zu diesem Begriff herumschwirren
eher wie die Persiflage auf den Turmbau zu Babel an.
Spätestens seit Sigmund Freud
, weiß man, dass Sexualität die Psyche des Menschen beeinflusst,
aber nicht nur die einzelne Person und seine Entwicklung sondern Sexualität zeigt eine intensive
Wechselwirkung zwischen der Person und der
gesamten Gesellschaft und Kultur (Sexualmoral etc..) in der sich der Einzelne befindet.
Beim Menschen zeigen sich daher unterschiedliche Erscheinungsformen von Sexualität die man im Groben in
folgende Kategorien zwängen kann:
Heterosexualität
Das sex. Begehren wird ausschließlich oder überwiegend für Personen des anderen Geschlechts empfunden. Laut Sigmund Freud lassen „Normale“ , „neben ihrer manifesten Heterosexualität ein sehr erhebliches Ausmaß von latenter oder unbewusster Homosexualität“ erkennen.[
Homosexualität
Das sex. Begehren wird ausschließlich oder überwiegend für Personen des eigenen Geschlechts empfunden.
Diese geschlechtliche Orientierung wurde lange pathologisiert. Sigmund Freud stellte sich dem 1905 entgegen:
„Die psychoanalytische Forschung widersetzt sich mit aller Entschiedenheit dem Versuch, die Homosexuellen als eine besonders geartete
Gruppe von den anderen abzutrennen.“
Ab den 70iger Jahren des 20. Jahrhunderts verschwindet die Homosexualität nach und nach aus den öffentlichen Krankheitskatalogen.
Bisexualität
Das sex. Begehren wird gegenüber Personen beider Geschlechter empfunden.
Sigmund Freud meinte, dass jeder Mensch bisexuell sei. Durch Gesellschaftlichen Druck würde aber der homosexuelle Teil unterdrückt.
Fetischismus
Ist eine Variante der sexuellen Ausrichtung, bei der ein unbelebter Gegenstand (Fetisch), als Stimulus zur Erregung und Befriedigung dient. Das kann sich auf die unterschiedlichsten Objekte, Materialien oder auch auf Körperteile des Partners richten.
Transsexualität
ist laut ICD-10, dem Krankheitskatalog der eine Geschlechtsidentitätsstörung die das Phänomen bezeichnet, wenn ein Mensch körperlich eindeutig einem Geschlecht angehört, sich jedoch als Angehöriger des anderen Geschlechts fühlt und sich körperlich zu diesem verändern möchte. Die Kankheitswertigkeit dieses Phänomens ist allerdings umstritten.
Intersexualität
Bezeichnet Menschen mit nicht eindeutig körperlichen Geschlechtsmerkmalen. Umgangssprachlich : Zwitter.
Da hier aber eine Untersuchung der verschiedensten sexuellen Präferenzen und Varianten zu weit führen würde,
möchte ich mich auf die für die Psychotherapie relevantere Betrachtung der sexuellen "Energie" und ihre Bedeutung für das
persönliche Lebensglück beschränken.
Diese "Energie" hat im Laufe der Geschichte viele Namen bekommen. Seit Freud und vor allem in der weiteren Entwicklung bei
Wilhelm Reich wurde sie zu einer speziellen Ausformung der
Lebensenergie schlechthin.
Das lässt erahnen, wie wichtig Sexualität im Bereich der psychotherapeutich/psychologischen Welt ist.
Einer der Ersten, der dies deutlicher fassbar machte war Sigmund Freud mit seinem Begriff der
Libido.
Für Freud war Libido nicht nur in der Liebe und im Geschlechtsakt wirksam,
sondern auch andere Lebensbereiche, wie etwa das Kulturschaffen sah er als „Sublimierung“ libidinöser Energie.
Nach
Freuds Triebtheorie zeigen sich in unserer Kindheitsentwicklung
folgende
Entwicklungsphasen: oral, anal, phallisch, ödipal und die genitale Phase.
Werden diese Phasen gestört, zeigt sich dies in psychischen Leidenszuständen.
Andere Psychoanalytiker, wie
Carl Gustav Jung definieren Libido allgemein
als psychische Energie des Menschen. Dort nähert sich der Libidobegriff den allgemeinen Konzepten des
Chi oder Prana im asiatischen Kulturbereich an.
Es war schließlich
Wilhelm Reich, der die Freudsche
Libidotheorie zur Orgsamustheorie weiter entwickelte.
Für Reich wurde die
Orgastische Potenz
ein Kriterium für die psychische Gesundheit. Er meint damit die Fähigkeit sich dem Orgasmus vollständig hingeben zu können,
also die sexuelle Spannung adäquat zu entladen.
Er meinte aber nicht nur den rein körperlichen Orgasmus, sondern die Empfindungsfähigkeit in Bezug auf den gesamten „Liebes – Akt“.
Dies ist beim Vorhandensein einer psychischen Störung unmöglich und stellt somit ein Kennzeichen psychischer Gesundheit dar.
Ein Nicht – Funktionieren dieser vollständigen Hingabe an das Strömen der biologischen Energie (Libido, Orgon) bezeichnet er als
„Orgastische Impotenz“.
Die dadurch entstehende Sexualstauung ist bei der psychischen Störung (Neurose) sowohl die Ursache als auch der Aufrechterhaltungsmechanismus derselben.
Konflikte aus der persönlichen Leidens- und Kindheitsgeschichte werden aktualisiert und die orgastische Potenz weiter geschwächt.
Das Mittel, dieser Entwicklung entgegen zu treten, war und ist selbstverständlich die
Wiederherstellung der Fähigkeit
sich dem freien Strömen der Lebensenergie hinzugeben. (Was als Folge auch natürliche menschliche Eigenschaften wie
Liebesfähigkeit, Menschlichkeit, Toleranz, Lebenslust, Schaffenskraft etc.. fördert und nährt)
Mit seinen Konzepten und Entdeckungen initiierte Wilhelm Reich die gesamte Entwicklung der Körperpsychotherapie.
(
Emotionalen Reintegration"Emotionale Reintegration: Eine von Dr. Peter Bolen entwickelte Methode der körperorientierten Psychotherapie (EABP)."
, Bioenergetik,
Biodynamik"Biodynamik: Eine von Gerda Boyesen entwickelte Methode der körperorientierten Psychotherapie (EABP)."
, analytische Körperpsychotherapie …)
Im Grunde kann man sagen: Gestörte Sexualität bedingt immer auch eine psychische Symptomatik und es gibt keine psychische Störung,
die sich nicht auch im sexuellen Erleben auswirkt und darstellt.
Auf der Persönlichkeitsebene ist Sexualität eine verdichtete Form unserer Fähigkeit zu Kontakt, und ohne der Fähigkeit zu Kontakt
ist ein glückliches menschliches Leben undenkbar.
Das „freie Strömen“ meint aber auch das freie Fließen aller menschlichen Gefühle und die Möglichkeit diese
auszudrücken (e – motion). Ist diese Fähigkeit behindert treten Symptome auf, die dann als
Depression oder
Angst bezeichnet werden.
Sie weisen darauf hin, dass diese „Energie“ gebunden wird (
Depression) oder ihre Bewegungsrichtung umkehrt und nach innen staut (
Angst).
Sexuelle Energie (Libido, Orgon, Chi, Prana ..) stellt also das Lebensprinzip an sich dar und das weit über den augenfälligen Bereich hinaus.
"Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens. Sie sollten es auch beherrschen." (Wilhelm Reich)
Es gilt also die zu Grunde liegende Behinderung des freien Ausdrucks der Lebensfreude zu beheben.
Die Methoden damit zu arbeiten sind Legion, und ich kann hier nur einen Ausschnitt aufzählen:
Körperarbeit im Allgemeinen,
Vegetotherapie,
Urschreitherapie,
Emotionalen Reintegration"Emotionale Reintegration: Eine von Dr. Peter Bolen entwickelte Methode der körperorientierten Psychotherapie (EABP)." ,
Bioenergetik,
Biodynamik"Biodynamik: Eine von Gerda Boyesen entwickelte Methode der körperorientierten Psychotherapie (EABP)." ,
Biosynthese,
Embodiment,
Hakomi,
Gestalttherapie,
Psychodrama,
Skan,
Core Energetik,
Integrative Körperpsychotherapie,
Organismische Psychotherapie,
Unitive Körperpsychotherapie
etc ...
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